Konzept: ... von der Idee bis zur Aufführung

Wir werden beinahe bei jedem Konzert gefragt, wie wir auf die mutmaßlich abwegige Idee kamen, gerade die 'Carmina Burana' als Trio zu spielen - da doch gerade dieses monumentale Opus als Schwergewicht in der Chor- und Orchestermusik gilt.

Clarmann: "Es lag an der Corona-Zeit mit deren Kontaktbeschränkungen. Mir wurde schnell klar, es geht wohl nur mit einer Kleinstbesetzung. Der Grund für genau diese einzigartige Instrumenten-Besetzung zur Neuinterpretation der CB lag einzig und allein an dem ursprünglichen Wunsch, mit 2 weiteren Musikern zusammen zu arbeiten, mit denen ich gerne die notwendig viele Zeit verbringen möchte. Eine musikalische Begründung steckte primär nicht hinter der Planung".

Es stellt sich aber die Frage, warum diese 3 Instrumente, die Orff-Partitur so kongenial in etwas völlig Anderes transportieren können. Eigentlich ist es retrospektiv ganz einfach:
1. der gestrichene und gezupfte Kontrabass steht für die Klangeindrücke des klassischen Orchester ebenso wie für die Rhythmik der an der bayerischen Volksmusik orientierten Tänze,
2. das Akkordeon implementiert durch die Wechsel der Anzahl und Art der schwingenden Zungen (Chöre) quasi die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten des Chores,
3. das Vibraphon als technische Fortentwicklung der bereits im Orff'schen Schulwerk gebräuchlichen Stabspiele bedient in der Vier-Schlegel-Technik sowohl die melodiösen, harmonischen und rhythmischen Aspekte der Orff-Musik.

"Durch die unterschiedlichen Frequenzlagen dieser 3 so unterschiedlichen Instrumente suggeriert der Gesamtklang dieses kleinen Ensembles eine Fülle, die auf den ersten 'Blick' völlig unerwartet ist, Ebenso relevant ist die Herangehensweise im Trio gewesen. Denn letztlich stellte sich die Frage, welche Töne der gesamten originalen Partitur eventuell für diese kammermusikalische Besetzung entbehrlich sein könnten. Wir filetieren die Originalnoten."
Und siehe da: plötzlich bekommen die einzelnen Lieder einen ganz eigenen, aber ursprünglich in der Komposition verborgenen Charakter, der durch den Verzicht auf 100 Instrumente und Stimmen plötzlich ganz leise, transparent und damit völlig anders 'daher kommt'.

"Es war von Anbeginn nicht klar, ob die kühne Idee der Triobesetzung überhaupt funktionieren würde. Im Nachgang lässt sich aber feststellen, dass die Reaktionen des Publikums in unseren zahlreichen Konzerten durchwegs fantastisch waren. Dem geneigten Ohr gefällt's. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen - außer: gewagt, gekonnt und von Schott Music Mainz genehmigt."